GESCHICHTE

Capoeira, Widerstand der Sklaven

Die Geschichte der Capoeira ist eng mit der Geschichte Brasiliens verflochten. Die Wurzeln der Capoeira liegen in der Kolonialzeit. Die portugiesischen Kolonialherren brachten Millionen von Menschen aus Afrika nach Brasilien, um sie als Sklaven auf den Zuckerrohrplantagen arbeiten zu lassen. Den afrikanischen Sklaven war jede Form von Widerstand verboten; auch Kampfübungen. Doch die Sklaven tarnten ihren Kampf hinter folkloristischen Tänzen und liessen so die Plantagenbesitzer im Glauben, es handle sich bei den Bewegungen um afrikanische Riten. 

Einigen Sklaven gelang es, aus der Gefangenschaft zu flüchten. Sie liessen sich in eigenen Siedlungen nieder - Quilombos genannt. Legenden besagen, dass sich der Kampf dort besonders stark ausbreitete und die Sklaven Capoeira in ihrem Widerstand gegen die Sklavenjäger einsetzten. Zwar gibt es für die Zeit vor dem 18. Jahrhundert keine historischen Quellen, doch die Symbolik der Capoeira als Widerstand von Sklaven, Schwarzen oder Unterschichten hat bis heute nichts von ihrer Stärke verloren. 

Capoeira, der Strassenkampf

1808 flüchtete das portugiesische Königshaus vor den napoleonischen Truppen nach Brasilien. König Dom João liess sich mit seinem Gefolge in der Stadt Rio de Janeiro nieder. Die Nachfrage nach Arbeitskräften in der Region stieg und Sklaven wanderten in die Städte ab. Capoeira wandelte sich zu einem Strassenkampf; einer Technik aus Schlägen mit den Füssen und dem Kopf. Diese Form der Capoeira, die sich von der heutigen Capoeira-Technik unterscheidet, war besonders in den Hafenstädten Rio de Janeiro, Recife und Salvador verbreitet. Die Capoeiristas (afrikanische Sklaven, aber auch Weisse), taten sich in Banden zusammen und bekämpften sich gegenseitig.

Während der Kaiserzeit war die Capoeira nicht ausdrücklich verboten, aber wer den Kampf ausübte, wurde dennoch verfolgt und wegen Störung der öffentlichen Ordnung verhaftet. In den Polizeiquellen kommt die Bezeichnung "capoeiras" für Gruppen von Unruhestiftern vor. Die Behörden und die oberen Gesellschaftsschichten hielten Capoeira für ein soziales Übel und eine Gefahr. 1889 schaffte Prinzessin Isabell die Sklaverei in Brasilien offiziell ab. Viele Capoeiristas schlugen sich auf die Seite der Monarchisten und sorgten für Tumult bei den republikanischen Kundgebungen. 

Capoeira, brasilianischer Nationalsport

Zur Zeit der Republik war das Ausüben der Capoeira gesetzlich verboten. Erst 1937 hob der brasilianische Präsident und Diktator Gétulio Vargas das Verbot auf. Damit endete die lange Periode der Illegalität und Marginalität. Später erklärte Vargas Capoeira zum Nationalsport Brasiliens - nachdem er eine Capoeira-Vorführung von Mestre Bimba gesehen hatte. Heute ist Capoeira mit sechs Millionen Capoeiristas die am häufigsten ausgeübte Sportart nach Fussball (in Brasilien) mit Anhängern auf der ganzen Welt